Steffen Vogelmann
Heilpraktiker und PhysiotherapeutKinderwunsch und Hormone – warum Progesteron so wichtig ist
Wenn du versuchst, schwanger zu werden, schauen viele zuerst auf den Eisprung. Und klar – der muss stattfinden. Aber das allein reicht nicht.
Mindestens genauso wichtig ist, was nach dem Eisprung passiert. Denn erst dann entscheidet sich, ob dein Körper bereit ist, eine Schwangerschaft zuzulassen.
Und genau hier spielt Progesteron eine entscheidende Rolle.
Dieses Hormon stabilisiert die Gebärmutterschleimhaut, beruhigt das Immunsystem und sorgt dafür, dass dein Körper die Einnistung überhaupt ermöglicht.
Ohne genug Progesteron wird die zweite Zyklushälfte zu kurz oder instabil – selbst wenn der Eisprung „nach Plan“ verläuft.
Und genau deshalb endet der Traum vom Baby oft schon, bevor er richtig begonnen hat.
Was dein Körper dir wirklich sagt, wenn Progesteron niedrig ist
Jetzt kommt der spannende Teil: Ein niedriger Progesteronwert heißt nicht, dass dein Körper versagt.
Im Gegenteil – vielleicht schützt er dich.
Progesteron ist ein Zeichen für Sicherheit, nicht einfach ein Wert, den man auffüllt.
Es steht für:
- Rückzug
- Regeneration
- Stabilität
- „Ich halte etwas, das wachsen darf“
Wenn dein Progesteron niedrig ist, sagt dein Körper nicht: „Ich kann das Hormon nicht produzieren.“ Sondern: „Es ist gerade nicht sicher genug.“
Dein Organismus priorisiert Überleben vor Fortpflanzung – eine uralte, kluge Entscheidung.
Und genau hier setzt ein neuer Blick auf das Thema Kinderwunsch an.
Die häufigsten Irrtümer rund um Progesteronmangel
Viele Frauen bekommen bei niedrigen Progesteronwerten direkt ein Rezept: „Nehmen Sie Progesteron.“
Das kann kurzfristig helfen – verlängert den Zyklus, mildert PMS. Aber es behebt nicht die Ursache.
Denn Progesteron ist kein Isolathormon. Es ist das Endprodukt einer ganzen hormonellen Kette, die auf Energie, Eisprungqualität, Schilddrüsenfunktion, Stressachse und Entzündungsgeschehen angewiesen ist.
Progesteron zu substituieren, ohne die Ursachen zu kennen, ist wie Wasser auf einen trockenen Boden zu gießen – ohne zu schauen, ob die Wurzeln überhaupt lebendig sind.
Die 5 stillen Saboteure deines Progesterons
Stress schlägt Progesteron – jedes Mal
Wenn dein Körper dauerhaft unter Stress steht, produziert er vermehrt Cortisol. Und das hat direkte Auswirkungen auf dein Hormonsystem:
- Die Ausschüttung des LH-Hormons wird gehemmt
- Der Gelbkörper funktioniert schlechter
- Progesteron wird kaum gebildet
Dabei ist Stress nicht immer sichtbar.
Auch mentale Überforderung, Schlafmangel, Druck oder ungelöste emotionale Konflikte können dein Stresssystem aktivieren – und dein Progesteron runterfahren.
Die Schilddrüse liefert nicht genug Energie
Eine unteraktive Schilddrüse – selbst wenn sie im Labor noch „normal“ aussieht – kann zu wenig aktive Energie bereitstellen.
Doch genau diese Energie brauchst du, um:
- einen stabilen Eisprung zu erzeugen
- den Gelbkörper zu versorgen
- Progesteron überhaupt zu bilden
Vor allem das aktive Schilddrüsenhormon T3 in den Eierstöcken ist hier entscheidend. Wenn du ständig frierst, müde bist oder Haarausfall hast, lohnt sich ein zweiter Blick auf die Schilddrüse.
Der Eisprung ist da – aber nicht stark genug
Nicht jeder Eisprung ist gleich. Auch wenn er im Zyklus sichtbar ist, kann er hormonell schwach ausfallen.
Das Ergebnis: Ein Gelbkörper, der kaum Progesteron bildet.
Mögliche Ursachen:
- Kalorienmangel
- Übertraining
- Insulinresistenz
- stille Entzündungen
Das zeigt: Die Quantität des Eisprungs reicht nicht. Es geht um die Qualität.
Östrogen ist nicht das Gegenteil – sondern der Gegenspieler
Progesteron entfaltet seine Wirkung nur, wenn Östrogen im richtigen Rhythmus ab- und ansteigt.
Wenn Östrogen dauerhaft zu hoch oder zu dominant ist – was oft bei Leberproblemen oder hormonellen Dysbalancen passiert – wird Progesteron funktionell blockiert.
Selbst wenn der Blutwert „okay“ aussieht, kann es sein, dass dein Körper das Hormon nicht nutzen kann.
Dann bleibt der Kinderwunsch oft weiterhin offen.
Das Nervensystem ist nicht im Ruhemodus
Progesteron wirkt beruhigend – aber es entsteht nur, wenn dein Körper vorher bereits ein gewisses Maß an Sicherheit wahrnimmt.
Wenn dein Nervensystem ständig im „Kampf-oder-Flucht“-Modus läuft, sagt dein Körper automatisch:
„Jetzt ist kein guter Zeitpunkt für Nachwuchs.“
Erst wenn Ruhe, Entspannung und Sicherheit da sind, kann dein System in den Regenerationsmodus schalten – und Progesteron überhaupt in die Gänge kommen.
Warum natürliche Progesteron-Creme oft hilft – aber selten löst
Natürliches Progesteron, zum Beispiel in Form einer Creme, wird von vielen Frauen gut vertragen.
Es kann:
- PMS lindern
- die zweite Zyklushälfte verlängern
- Schlaf verbessern
Doch es bleibt eine symptomatische Hilfe.
Denn:
- Es ersetzt keine eigene Hormonproduktion
- Es repariert keinen schwachen Eisprung
- Es heilt keine Stressachse
Progesteron von außen wirkt wie ein Pflaster – nicht wie eine Wurzelbehandlung.
Und wenn du dauerhaft auf externe Quellen angewiesen bist, bleibt der Kinderwunsch oft trotzdem unerfüllt.
So bringst du dein Progesteron nachhaltig in Balance
Die gute Nachricht: Dein Körper kann Progesteron selbst wieder herstellen – wenn du ihm hilfst, die richtigen Bedingungen zu schaffen.
Hier ein paar Stellschrauben, die wirklich wirken:
Ernährung mit Fokus auf Stabilität: Regelmäßige Mahlzeiten, Proteine, gesunde Fette, keine Blutzuckerachterbahnen
Darm & Leber unterstützen: Denn hier wird überschüssiges Östrogen abgebaut
Schilddrüse fördern: Vor allem die Umwandlung zu aktivem T3 durch Selen, Zink, ausreichend Kalorien
Stress reduzieren: Yoga, Atemtechniken, mentale Ruheinseln, Coaching
Bewegung dosieren: Kein Hochleistungssport, sondern zyklusorientiertes Training
Der emotionale Aspekt: Vertrauen zwischen Körper und Geist wiederherstellen
Progesteron ist nicht nur ein körperliches, sondern auch ein emotionales Hormon.
Es steht für Bindung, Vertrauen und Stabilität – nicht nur in der Gebärmutter, sondern auch im Leben.
Wenn du mit deinem Zyklus wieder in Kontakt kommst, lernst, seine Signale zu deuten, und deinen Körper als Verbündeten begreifst – dann kann sich auch hormonell viel verändern.
Die innere Sicherheit, die Progesteron signalisiert, beginnt oft auf mentaler Ebene.
FAQ – Die häufigsten Fragen rund um Progesteron und Kinderwunsch
Wie kann ich Progesteron am besten messen?
Am zuverlässigsten per Speicheltest oder Bluttest ca. 7 Tage nach dem Eisprung.
Kann ich einen Mangel haben, obwohl ich keine PMS habe?
Ja, oft ist die zweite Zyklushälfte trotzdem zu kurz oder instabil – auch ohne klassische Symptome.
Welche Rolle spielt die Schilddrüse dabei?
Eine zentrale – ohne aktives T3 kein stabiler Gelbkörper, kein Progesteron.
Wann macht Progesteroncreme Sinn?
Kurzfristig zur Symptomminderung – nicht als Dauerlösung ohne Ursachenklärung.
Fazit: Progesteron ist kein Mangel – sondern eine Botschaft
Wenn dein Progesteron niedrig ist, ist das kein Defekt.
Es ist ein Signal, dass dein Körper gerade andere Prioritäten setzt – meist aus Schutz.
Statt sofort zu substituieren, lohnt es sich, zu fragen: Was fehlt, damit mein Körper wieder Vertrauen hat?
Kinderwunsch-Arbeit bedeutet: Dem Körper die Sicherheit zurückzugeben, die er braucht, um etwas Neues zu halten.
Was du jetzt tun kannst
Wenn du dich in diesem Artikel wiedererkennst und bereit bist, tiefer zu schauen – dann ist der nächste Schritt klar:
Melde dich zu einem Kennenlerngespräch in meiner Praxis in Heilbronn oder online.
Wir analysieren gemeinsam deine aktuelle Situation, identifizieren Blockaden und legen den Grundstein für echte Hormonbalance.






