Steffen Vogelmann
Heilpraktiker und PhysiotherapeutWarum die Schilddrüse so wichtig ist
Die Schilddrüse ist gerade einmal so groß wie eine Walnuss – aber sie hat Einfluss auf nahezu alle Prozesse in deinem Körper.
Sie reguliert den Stoffwechsel, sorgt für Energie, beeinflusst deine Körpertemperatur, Haut, Haare, deine Stimmung – und sogar deinen Zyklus. Kein Wunder also, dass eine gestörte Schilddrüsenfunktion zu völlig unterschiedlichen Beschwerden führen kann.
Das Gemeine daran: Die Symptome sind oft unspezifisch. Viele Frauen denken zuerst an Stress, Schlafmangel oder einfach das Älterwerden, wenn sie sich ständig müde fühlen oder plötzlich zunehmen.
Dabei könnte der eigentliche Auslöser eine Schilddrüsenunterfunktion oder Überfunktion sein – und die bleibt in der Schulmedizin leider oft zu lange unerkannt oder wird unzureichend behandelt.
Schilddrüsenunterfunktion – Symptome erkennen
Eine Schilddrüsenunterfunktion (auch Hypothyreose genannt) ist deutlich weiter verbreitet, als viele denken – und sie betrifft Frauen häufiger als Männer. Hier produziert die Schilddrüse zu wenig Hormone, was den gesamten Stoffwechsel verlangsamt.
Typische Anzeichen sind:
- Anhaltende Müdigkeit, trotz ausreichend Schlaf
- Gewichtszunahme, ohne mehr zu essen
- Kälteempfindlichkeit – besonders kalte Hände und Füße
- Trockene Haut und Verstopfung
- Haarausfall oder brüchige Nägel
- Zyklusunregelmäßigkeiten oder unerfüllter Kinderwunsch
- Stimmungsschwankungen bis hin zu depressiven Verstimmungen
Wenn du dich in mehreren dieser Punkte wiedererkennst, solltest du hellhörig werden – insbesondere, wenn du zusätzlich ständig frierst oder dich wie in einem Dauer-Jetlag fühlst.
Schilddrüsenüberfunktion – Warnsignale verstehen
Das Gegenteil der Unterfunktion ist die Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose). Hier produziert die Schilddrüse zu viele Hormone, wodurch dein Körper auf Hochtouren läuft – oft bis zur Erschöpfung.
Typische Symptome:
- Innere Unruhe, Nervosität, Herzrasen
- Schlafstörungen und verstärktes Schwitzen
- Unerklärlicher Gewichtsverlust trotz Heißhunger
- Zittern der Hände
- Gefühl, ständig „unter Strom“ zu stehen
- Reizbarkeit und emotionale Überreaktionen
Diese Symptome werden häufig mit Stress verwechselt. Doch wenn du dich ständig aufgedreht, überreizt oder „ausgebrannt“ fühlst, lohnt sich ein Blick auf deine Schilddrüse – vor allem, wenn du zusätzlich Gewichtsveränderungen oder Hitzewallungen bemerkst.
Blutwerte richtig interpretieren: Mehr als nur TSH
Der erste Gang zur Abklärung führt meist zum Hausarzt – und dort wird oft nur der sogenannte TSH-Wert gemessen.
TSH steht für „Thyreoidea-stimulierendes Hormon“ und gibt an, wie stark die Hirnanhangdrüse die Schilddrüse zur Hormonproduktion anregt.
Aber: Der TSH-Wert allein reicht nicht aus, um eine verlässliche Aussage über deine Schilddrüsenfunktion zu treffen.
Diese Werte solltest du unbedingt zusätzlich bestimmen lassen:
- fT3 (freies Trijodthyronin): Das aktive Schilddrüsenhormon, das direkt auf deine Zellen wirkt.
- fT4 (freies Thyroxin): Die Vorstufe von fT3, die erst noch umgewandelt werden muss.
- TPO-Antikörper und TG-Antikörper: Weisen auf Hashimoto oder andere Autoimmunprozesse hin.
- rT3 (reverses T3): Eine inaktive Form, die fT3 blockieren kann – oft erhöht bei Stress.
Nur wenn du all diese Werte betrachtest, ergibt sich ein vollständiges Bild deiner Schilddrüsengesundheit.
Alles andere ist – salopp gesagt – wie Autofahren mit zugeklebtem Tacho.
Was verrät die Temperatur über deine Schilddrüse?
Ein einfaches, aber oft unterschätztes Hilfsmittel ist die Basaltemperaturmessung nach Barnes. Sie liefert Hinweise auf die Stoffwechsellage – und damit indirekt auf die Schilddrüse.
So funktioniert es:
- Miss deine Körpertemperatur morgens direkt nach dem Aufwachen, noch im Bett.
- Nutze ein gutes digitales Thermometer – möglichst immer dasselbe.
- Notiere die Werte für mindestens drei Tage in Folge.
Was die Werte bedeuten:
- Unter 36,5 °C: Hinweis auf eine mögliche Unterfunktion.
- Über 37,2 °C (ohne Infekt): Hinweis auf eine mögliche Überfunktion.
Wichtig: Die Temperaturmessung ersetzt keine Laborwerte – aber sie ist ein wertvolles Screening-Tool, vor allem wenn du gerade keine aktuellen Blutwerte zur Hand hast.
Die Schilddrüse und ihre Verbündeten im Körper
Die Schilddrüse arbeitet nicht im Alleingang – sie ist Teil eines komplexen Netzwerks. Wenn du sie unterstützen möchtest, solltest du auch auf diese Systeme achten:
Nebenniere:
Bei Dauerstress wird die Umwandlung von T4 zu T3 gehemmt. Cortisol hat direkten Einfluss auf deine Schilddrüsenwerte.
Leber:
Hier findet ein Großteil der Umwandlung von fT4 in fT3 statt. Eine überlastete Leber kann den Hormonhaushalt aus dem Gleichgewicht bringen.
Darm:
Eine gesunde Darmflora ist entscheidend – für die Nährstoffaufnahme und das Immunsystem. Entzündungen oder Dysbiosen wirken sich direkt auf die Schilddrüse aus.
Nährstoffe:
Für die Schilddrüsenfunktion sind Selen, Zink, Eisen, Vitamin D, Jod und B-Vitamine essenziell.
Viele Patienten nehmen L-Thyroxin – doch ohne diese Faktoren mit einzubeziehen, spüren sie kaum Besserung. Nur eine ganzheitliche Sichtweise führt zu echter Veränderung.
Häufige Fehler bei der Behandlung
Es gibt typische Stolpersteine, die eine Heilung oder Verbesserung verhindern – hier die häufigsten:
Nur TSH messen: Wie bereits erwähnt – das reicht nicht.
Synthetisches L-Thyroxin ohne individuelle Anpassung: Jeder Körper reagiert anders, manche brauchen eine Kombitherapie mit fT3.
Nährstoffmängel übersehen: Ein Eisen- oder Selenmangel sabotiert jede Therapie.
Stress nicht berücksichtigen: Daueranspannung kann alle Werte verfälschen.
Keine Ursachensuche bei Hashimoto: Die Autoimmunreaktion muss verstanden, nicht nur unterdrückt werden.
Wenn du wirklich etwas verändern willst, solltest du all diese Faktoren mit ins Boot holen.
Was du selbst tun kannst – konkrete Tipps für deinen Alltag
Du kannst einiges selbst tun, um deine Schilddrüse zu entlasten und deine Gesundheit zu fördern:
Symptome ernst nehmen
Müdigkeit, Zyklusprobleme oder Haarausfall sind keine „Einbildung“.
Blutbild erweitern lassen
Bestehe auf einer ganzheitlichen Diagnostik – ggf. über einen spezialisierten Therapeuten.
Temperatur messen
Eine einfache Methode, um deinen Hormonhaushalt zu beobachten.
Stress reduzieren
Yoga, Meditation, Natur, Pausen – alles, was dir hilft, runterzukommen.
Schlafhygiene verbessern
Der Körper regeneriert sich nachts – auch hormonell.
Ernährung optimieren
Nährstoffreich, entzündungsarm, individuell abgestimmt.
Professionelle Begleitung suchen
Jeder Körper ist anders – eine gute Beratung spart dir Zeit, Nerven und Fehlversuche.
FAQ: Die häufigsten Fragen zur Schilddrüse
Wie häufig sind Schilddrüsenprobleme bei Frauen?
Sehr häufig. Schätzungen zufolge ist jede dritte Frau irgendwann im Leben betroffen – oft unbemerkt.
Ist Hashimoto heilbar?
Nicht im klassischen Sinne, aber sehr gut therapierbar – vor allem durch einen ganzheitlichen Ansatz.
Wie finde ich den richtigen Therapeuten?
Wichtig sind Erfahrung, Spezialisierung auf Schilddrüse und eine individuelle Betrachtung deiner Werte und Symptome.
Hilft Jod bei Unterfunktion?
Nicht immer. Bei Hashimoto kann Jod sogar schaden. Eine genaue Diagnostik ist entscheidend.
Was kann ich tun, wenn meine Werte „normal“ sind, ich mich aber schlecht fühle?
Dann lohnt es sich, genauer hinzuschauen: fT3, rT3, Antikörper und Temperatur liefern oft die entscheidenden Hinweise.
Fazit: Wie du deine Schilddrüse wieder ins Gleichgewicht bringst
Die Schilddrüse ist ein kleines Organ mit großer Wirkung. Wenn sie nicht rund läuft, spürst du das – körperlich wie seelisch.
Leider werden Schilddrüsenprobleme häufig zu spät erkannt oder nur unzureichend behandelt.
Doch du musst dich nicht damit abfinden. Es gibt Wege, deiner Energie, deinem Wohlbefinden und deiner Lebensfreude wieder auf die Sprünge zu helfen.
Wichtig ist: Die richtige Diagnostik, ein ganzheitlicher Blick und individuelle Unterstützung.
Dein nächster Schritt: Kostenloses Kennenlerngespräch buchen
Wenn du wissen möchtest, ob deine Schilddrüse richtig arbeitet – und vor allem warum sie es vielleicht nicht tut – dann lass uns gemeinsam hinschauen.
In einem kostenlosen 30-minütigen Gespräch finden wir heraus, was hinter deinen Beschwerden steckt und welche nächsten Schritte für dich sinnvoll sind.






