Steffen Vogelmann
Heilpraktiker und PhysiotherapeutWenn Hormone Achterbahn fahren – was bei PMS im Körper passiert
PMS – das prämenstruelle Syndrom – beschreibt die körperlichen und seelischen Beschwerden, die in der zweiten Zyklushälfte auftreten. Sie reichen von Stimmungsschwankungen über Blähungen bis hin zu Kopfschmerzen oder Heißhunger.
Ursache ist fast immer ein hormonelles Ungleichgewicht – genauer gesagt das Verhältnis von Östrogen zu Progesteron.
Das Hormon-Duo im Zyklus
- Östrogen sorgt in der ersten Zyklushälfte für Energie, Lebensfreude und Fruchtbarkeit.
- Progesteron, das Gelbkörperhormon, wirkt in der zweiten Zyklushälfte beruhigend, ausgleichend und entkrampfend.
Wenn die Leber jedoch mit dem Abbau von Östrogen nicht hinterherkommt, staut sich dieses im Körper – und es entsteht eine Östrogendominanz. Progesteron hat dann kaum eine Chance, seine ausgleichende Wirkung zu entfalten.
Typische Symptome einer Östrogendominanz
- Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit, depressive Verstimmungen
- Wassereinlagerungen und Brustspannen
- Kopfschmerzen oder Migräne
- Heißhunger auf Süßes, Blähungen und Völlegefühl
Klingt vertraut? Dann lohnt sich ein Blick auf dein wichtigstes Hormon-Regulationsorgan – deine Leber.
Die Leber – mehr als nur dein Entgiftungsorgan
Oft wird sie unterschätzt: die Leber.
Dabei ist sie mit über 500 Funktionen das wahre Multitalent deines Stoffwechsels. Sie verarbeitet Nährstoffe, produziert Galle, speichert Vitamine und neutralisiert Gifte.
Aber kaum jemand weiß, dass die Leber auch der „Hormonmanager“ deines Körpers ist.
Wie die Leber Hormone abbaut
Täglich baut die Leber unzählige Stoffe ab – darunter auch Östrogen, Progesteron, Cortisol und Schilddrüsenhormone.
Der Prozess läuft in zwei Phasen ab:
Phase 1 – Aktivierung:
Enzyme wie das Cytochrom-P450-System machen fettlösliche Substanzen wasserlöslich.
Phase 2 – Neutralisierung:
In dieser Phase werden die aktivierten Stoffe durch Methylierung, Glucuronidierung oder Sulfatierung gebunden und ausgeschieden.
Wenn dieser Mechanismus ins Stocken gerät – etwa durch Überlastung, Nährstoffmangel oder Stress – kann sich Östrogen im Körper anreichern. Das wiederum treibt PMS-Symptome an.
Wenn die Leber überfordert ist – typische Ursachen im Alltag
Unsere moderne Lebensweise ist für die Leber eine echte Herausforderung. Schon kleine tägliche Gewohnheiten können sie ausbremsen.
Alkohol, Zucker & Medikamente
Ein Glas Wein hier, ein Schmerzmittel da – für die Leber sind das Belastungsproben.
Sie muss Alkohol, Zucker und Medikamentenrückstände abbauen und schafft es dadurch oft nicht mehr, sich ausreichend um den Hormonstoffwechsel zu kümmern.
Umweltgifte & Kosmetika
Pestizide, Lösungsmittel, Weichmacher und hormonähnliche Substanzen in Pflegeprodukten (sogenannte endokrine Disruptoren) belasten die Leber zusätzlich.
Sie konkurrieren mit Östrogen um die Entgiftungskapazität.
Darmprobleme
Wenn die Darmflora aus dem Gleichgewicht ist, gelangen Giftstoffe und Stoffwechselprodukte über die Pfortader zurück in die Leber – ein Teufelskreis, der PMS verstärkt.
Nährstoffmangel
Für ihre Arbeit braucht die Leber bestimmte Mikronährstoffe: B-Vitamine, Magnesium, Zink, Aminosäuren und Antioxidantien.
Fehlen diese Bausteine, läuft der Hormonabbau auf Sparflamme.
Leber & Darm – das unterschätzte Dreamteam
Deine Leber leitet die abgebauten Östrogene an den Darm weiter, wo sie über den Stuhl ausgeschieden werden. Doch nur, wenn dort alles rundläuft.
Wenn der Darm das Östrogen zurückschickt
Eine gestörte Darmflora (Dysbiose) begünstigt das Enzym Beta-Glucuronidase, das in bestimmten Bakterien vorkommt.
Dieses Enzym „reaktiviert“ das bereits von der Leber gebundene Östrogen – und schwupps, es gelangt wieder in den Blutkreislauf.
Die Folge: Der Östrogenspiegel steigt, und PMS-Symptome verschärfen sich.
Merke: Leber und Darm arbeiten Hand in Hand. Nur wenn beide gut funktionieren, kann dein Körper Hormone wirklich in Balance halten.
Ganzheitliche Wege zur Leberunterstützung bei PMS
Wenn du PMS an der Wurzel angehen möchtest, führt kein Weg an deiner Leber vorbei.
Die gute Nachricht: Du kannst sie mit einfachen Mitteln spürbar entlasten.
Ernährung – der Schlüssel zur Lebergesundheit
- Bitterstoffe wie Rucola, Chicorée, Artischocke und Löwenzahn regen den Gallefluss an.
- Kreuzblütler-Gemüse (Brokkoli, Kohl, Radieschen) enthalten Indole und Sulforaphan, die den Östrogenabbau fördern.
- Eiweißreiche Kost liefert Aminosäuren, die für die Leberentgiftung essenziell sind.
- Zucker und Alkohol reduzieren entlastet die Leber unmittelbar.
Wichtige Nährstoffe für die Leberentgiftung
- B-Vitamine (B6, B12, Folat): für Methylierungsvorgänge nötig
- Magnesium: aktiviert Enzyme, wirkt entkrampfend
- Omega-3-Fettsäuren: wirken entzündungshemmend
- Glutathion und N-Acetylcystein (NAC): schützen Leberzellen und steigern die antioxidative Kapazität
Pflanzliche Helfer
- Mariendistel (Silymarin): regeneriert Leberzellen
- Schisandra: stärkt Leber, Nerven und Hormonbalance
- Artischocke: fördert Gallefluss und Verdauung
Darmaufbau
- Probiotika (z. B. Lactobacillus, Bifidobakterien) stabilisieren die Flora.
- Ballaststoffe aus Gemüse, Akazienfaser oder Flohsamenschalen binden Östrogene.
- Fermentierte Lebensmittel wie Sauerkraut oder Kimchi fördern eine gesunde Darmbesiedelung.
Lebensstil & Stressmanagement
- Bewegung regt den Lymphfluss an und verbessert den Stoffwechsel.
- Schlaf ist essenziell – die Leber arbeitet nachts am aktivsten.
- Stressabbau durch Yoga, Atemtechniken oder Meditation senkt Cortisol, das sonst den Leberstoffwechsel hemmt.
Praxisbeispiel: Wenn die Leber wieder durchatmen darf
Eine 28-jährige Patientin kam zu mir in die Praxis mit klassischen PMS-Beschwerden: Gereiztheit, Brustspannen, Wassereinlagerungen und starke Stimmungsschwankungen.
Ihr Alltag: viel Kaffee, häufiger Alkohol am Wochenende, unregelmäßiges Essen, regelmäßig Schmerzmittel gegen Regelschmerzen.
Therapieansatz:
- Ernährungsumstellung mit Fokus auf Bitterstoffe und Kreuzblütler
- Leberunterstützung mit Mariendistel, Magnesium und B-Vitaminen
- Darmaufbau durch Probiotika und Akazienfaser
- Begleitendes Stressmanagement (leichte Bewegung, Atemübungen)
Ergebnis nach drei Monaten:
- PMS-Beschwerden deutlich schwächer
- Stimmung stabiler
- Zyklus regelmäßiger
- Allgemeines Wohlbefinden spürbar besser
Ihre Leber bekam endlich wieder Luft zum Arbeiten – und das machte sich im gesamten Hormonhaushalt bemerkbar.
Checkliste: So entlastest du deine Leber bei PMS
✅ Täglich Bitterstoffe und Kreuzblütler essen
✅ Alkohol, Zucker und stark verarbeitete Lebensmittel reduzieren
✅ Auf ausreichend Eiweiß und Nährstoffe achten
✅ Pflanzliche Leberunterstützung nutzen (Mariendistel, Artischocke, Schisandra)
✅ Darmflora gezielt stärken (Probiotika, Ballaststoffe)
✅ Stress regelmäßig abbauen und auf guten Schlaf achten
Wenn du diese Punkte konsequent umsetzt, spürst du oft schon nach wenigen Wochen, dass sich PMS-Symptome abschwächen.
FAQ – häufige Fragen zu PMS & Leber
Kann man PMS allein über die Leber beeinflussen?
Die Leber spielt eine Schlüsselrolle, aber sie ist Teil eines größeren Systems. Hormone, Darm, Stress und Ernährung greifen ineinander.
Eine gesunde Leber ist jedoch die Basis, damit alles andere ins Gleichgewicht kommt.
Wie lange dauert es, bis sich Verbesserungen zeigen?
Viele meiner Patientinnen bemerken nach 2–3 Monaten deutliche Veränderungen – vorausgesetzt, sie bleiben konsequent dran.
Sollte man Leberkuren regelmäßig machen?
Ja, saisonale Leberphasen (z. B. im Frühjahr oder Herbst) können sinnvoll sein.
Aber: lieber kontinuierliche Leberpflege durch Ernährung und Lebensstil statt radikaler „Kuren“.
Belastet die Pille die Leber?
Ja, hormonelle Verhütung bedeutet für die Leber Mehrarbeit.
Wer die Pille nimmt, sollte auf eine leberfreundliche Ernährung und regelmäßige Entlastungsphasen achten.
Fazit
Die Leber ist viel mehr als nur dein Entgiftungsorgan – sie ist die stille Regisseurin deines Hormonhaushalts.
Wenn sie überlastet ist, stauen sich Östrogene, und PMS-Symptome wie Stimmungsschwankungen, Wassereinlagerungen und Brustspannen nehmen zu.
Mit der richtigen Ernährung, gezielter Nährstoffzufuhr und einem bewussten Lebensstil kannst du deine Leber unterstützen und dein hormonelles Gleichgewicht wiederherstellen.
Es geht nicht darum, Symptome zu bekämpfen – sondern Ursachen zu verstehen und ganzheitlich zu lösen.
Dein nächster Schritt
Wenn du mehr darüber erfahren möchtest, wie du deine Lebergesundheit und Hormone natürlich in Balance bringen kannst, besuche meine Profilseite.
Dort findest du viele weitere Impulse, Tipps und Begleitangebote, die dich auf deinem Weg zu mehr Wohlbefinden unterstützen.
Oder melde dich direkt zu einem Kennenlerngespräch in meiner Praxis in Heilbronn oder online an.
In einem kostenlosen 30-minütigen Gespräch finden wir heraus, was hinter deinen Beschwerden steckt und welche nächsten Schritte für dich sinnvoll sind.






