Steffen Vogelmann
Heilpraktiker und PhysiotherapeutWas bedeutet Erschöpfung bei Hashimoto wirklich?
„Müde kann man ja mal sein.“ Diesen Satz hast du vielleicht selbst schon gehört – oder gedacht.
Doch die Erschöpfung, die bei Hashimoto auftritt, ist keine normale Müdigkeit. Sie ist umfassend, tiefgreifend und betrifft nicht nur deinen Körper, sondern auch deine Konzentration, deine Belastbarkeit und sogar deine Stimmung.
Typisch ist das Gefühl, morgens nicht in die Gänge zu kommen – selbst nach acht Stunden Schlaf. Du brauchst mehrere Anläufe, um klar zu denken.
Schon kleine Aufgaben wirken überfordernd. Und wenn du Energie investierst, fühlst du dich danach nicht zufrieden – sondern komplett leer.
Viele Frauen beschreiben es als ständigen inneren Kampf zwischen dem, was sie schaffen wollen – und dem, was ihr Körper zulässt.
Warum normale Schilddrüsenwerte nicht reichen
Wenn du Hashimoto hast, wurde bei dir wahrscheinlich regelmäßig der TSH-Wert überprüft. Vielleicht auch fT4. In einigen Fällen sogar fT3.
Wenn diese Werte im Referenzbereich liegen, heißt es schnell: „Alles gut.“
Doch genau hier liegt das Problem.
Schilddrüsenhormone wirken nicht allein durch ihre Konzentration im Blut. Entscheidend ist, ob sie in der Zelle ankommen – und ob die Zelle überhaupt die Energie erzeugen kann, die du brauchst.
Die klassische Blutwert-Diagnostik greift hier viel zu kurz. Sie sagt etwas über die Versorgung – aber nichts über die Wirkung.
Das erklärt, warum du trotz „normaler Werte“ permanent erschöpft sein kannst.
Fünf Hauptursachen für die Erschöpfung bei Hashimoto
1. Gestörte T4-zu-T3-Umwandlung
T4 ist die Speicherform, T3 die aktive Form des Schilddrüsenhormons.
Damit dein Körper funktionieren kann, muss T4 in T3 umgewandelt werden. Diese Umwandlung passiert in Leber, Darm und Nieren – also genau da, wo oft bereits eine Belastung besteht.
Stress, Entzündungen oder ein Kaloriendefizit können diesen Prozess blockieren. Statt aktivem T3 entsteht dann vermehrt „reverse T3“, ein inaktiver Gegenspieler.
Die Folge: Deine Zellen werden trotz Hormongabe nicht aktiviert – du bleibst müde.
2. Dysregulierte Stressachse
Chronischer Stress – egal ob emotional oder körperlich – bringt dein gesamtes Energiesystem aus dem Takt.
Die Nebennieren schütten zu wenig oder zum falschen Zeitpunkt Cortisol aus. Das führt dazu, dass du morgens kaum in die Gänge kommst und dich tagsüber schnell ausgelaugt fühlst.
Viele Frauen berichten: „Ich funktioniere, aber ich regeneriere nicht.“
Und genau das ist das Problem: Es fehlt nicht an Aktivität, sondern an Erholung.
3. Mitochondriale Erschöpfung
Mitochondrien sind deine körpereigenen Kraftwerke. Schilddrüsenhormone regen diese zur Energieproduktion an.
Doch wenn deine Mitochondrien durch Entzündungen, oxidativen Stress oder Nährstoffmängel geschwächt sind, nützt dir selbst das beste Hormon nichts – es verpufft.
Das ist vergleichbar mit einem Auto, das zwar Benzin bekommt (die Hormone), dessen Motor aber kaputt ist (die Mitochondrien). Ohne Reparatur läuft hier gar nichts.
4. Blutzuckerschwankungen
Auch dein Blutzucker beeinflusst dein Energielevel massiv.
Ein instabiler Blutzucker sorgt für Tiefs am Mittag, Heißhunger, Zittrigkeit oder Müdigkeit nach dem Essen. Gleichzeitig wird die Stressachse zusätzlich belastet – ein Teufelskreis.
Gerade bei Hashimoto ist die Blutzuckerregulation oft empfindlich gestört. Kleine Ernährungsanpassungen können hier große Wirkung entfalten.
5. Schlaf ohne Erholung
Vielleicht schläfst du „genug“, fühlst dich aber trotzdem wie gerädert.
Häufig liegt das an einem überaktiven Nervensystem. Du schläfst leicht, wachst oft auf oder verarbeitest nachts zu viel.
Dein Körper kommt nicht in die Tiefe – und damit nicht in die echte Regeneration.
Viele Hashimoto-Patientinnen beschreiben das so: „Ich schlafe, aber ich wache nicht wirklich erholt auf.“
Auch hier steckt meist ein systemisches Ungleichgewicht dahinter – kein banales Schlafproblem.
Warum Sport und Disziplin oft das Gegenteil bewirken
Einer der häufigsten Ratschläge lautet: „Du musst dich einfach mehr bewegen.“ Und klar, Sport ist grundsätzlich gut. Aber nicht, wenn dein Körper im Energieminus läuft.
Wenn du trotz Erschöpfung regelmäßig Sport treibst, signalisierst du deinem System: „Ich ignoriere deine Warnung.“
Die Folge: Entzündung steigt, Stress nimmt zu, Regeneration bleibt aus – du fühlst dich noch erschöpfter.
Das Problem ist also nicht, dass du faul bist. Sondern, dass du aktuell nicht belastbar genug bist.
Der Schlüssel liegt darin, erst Stabilität zu schaffen – und dann gezielt Aktivität aufzubauen.
Der Perspektivwechsel: Von Motivation zu Regulation
Viele Frauen fühlen sich schuldig: „Ich müsste doch nur mehr Disziplin haben.“
Doch das ist falsch. Deine Erschöpfung ist kein Zeichen von Faulheit – sondern von Dysregulation.
Du kämpfst nicht gegen deinen inneren Schweinehund, sondern gegen ein System, das energetisch überfordert ist. Wenn du das erkennst, kannst du aufhören, gegen dich selbst zu arbeiten – und anfangen, mit deinem Körper zu kooperieren.
Die gute Nachricht: Regulation lässt sich wiederherstellen.
Du brauchst dafür nicht mehr Willenskraft – sondern einen strukturierten, ganzheitlichen Ansatz.
Was wirklich hilft – Schritt für Schritt raus aus der Erschöpfung
Echte Erholung entsteht nicht durch mehr Aktivität, sondern durch intelligente Entlastung.
Der Weg aus der Hashimoto-Erschöpfung sieht meist so aus:
1. Nervensystem beruhigen
Techniken zur Regulation: Atemübungen, Meditation, gezielte Ruhephasen, Adaptogene.
2. Blutzucker stabilisieren
Proteinreiche Mahlzeiten, komplexe Kohlenhydrate, weniger Snacking – für konstante Energie.
3. Mitochondrien stärken
Gezielte Mikronährstoffe, entzündungsarme Ernährung, sanfte Entgiftung.
4. Stressachse stabilisieren
Cortisol-Tagesprofil testen, gezielte Unterstützung (Rhodiola, Ashwagandha, B-Vitamine).
5. Schilddrüse feinjustieren
Nach der Stabilisierung kann man gezielt T3 prüfen, fT3 optimieren und reverse T3 senken.
Viele Frauen berichten nach dieser Umstellung: „Zum ersten Mal habe ich wieder Energie – nicht nur diesen kurzen Push, sondern echte Kraft über den Tag.“
FAQ: Die häufigsten Fragen zu Hashimoto und Erschöpfung
Was tun, wenn mein Arzt sagt, die Werte sind okay – ich mich aber nicht so fühle?
Hole dir eine zweite Meinung – am besten bei jemandem, der auch fT3, reverse T3 und Cortisol berücksichtigt.
Ist die Erschöpfung bei Hashimoto heilbar?
Sie ist oft deutlich verbesserbar. Der Schlüssel liegt in der Systemregulation, nicht nur in der Hormondosis.
Wie lange dauert die Erholung?
Das ist individuell. Viele spüren erste Verbesserungen nach 4–6 Wochen gezielter Maßnahmen, andere brauchen länger.
Wichtig ist: dranbleiben.
Fazit: Erschöpfung ist kein Nebenproblem – sondern der Kern
Wenn du ständig müde bist, obwohl deine Werte stimmen, liegt das nicht an dir – sondern an einem System, das Hilfe braucht.
Hashimoto betrifft weit mehr als nur die Schilddrüse. Es betrifft deine Energieproduktion, deinen Stresshaushalt, deinen Stoffwechsel.
Die gute Nachricht: Du kannst etwas tun. Mit dem richtigen Wissen, einer klaren Struktur und jemandem, der dir zuhört.
Dein nächster Schritt
Wenn du das Gefühl hast, dass genau diese Art von Erschöpfung dich betrifft, dann ist es Zeit, genauer hinzuschauen.
In einem kostenfreien 30-minütigen Gespräch schauen wir uns gemeinsam deine Situation an – und finden heraus, welcher Weg für dich Sinn ergibt.






