Steffen Vogelmann
Heilpraktiker und PhysiotherapeutWarum Du trotz Schilddrüsentherapie nicht weiterkommst
Vielleicht kennst Du das: Du nimmst Schilddrüsenhormone, Deine Blutwerte sehen gut aus – und trotzdem fühlst Du Dich immer noch wie im Energiesparmodus.
Müdigkeit, Gewichtszunahme, Schlafprobleme oder das Gefühl von „innerer Unruhe trotz Erschöpfung“ begleiten Dich im Alltag.
Du bist damit nicht allein. Viele junge Frauen berichten genau das – und sie verzweifeln daran, dass ihre Symptome nicht ernst genommen werden.
Denn auf dem Papier ist ja alles „in Ordnung“.
Wird diese Verbindung ignoriert, bleibt die Behandlung oft unvollständig.
Nebenniere und Schilddrüse – Zwei Organe, eine Mission
Beide Organe – Nebenniere und Schilddrüse – haben eine zentrale Aufgabe: Deinen Energiehaushalt zu regulieren.
Die Schilddrüse beeinflusst, wie viel Energie Du im Ruhezustand verbrauchst, wie warm Dir ist und wie aktiv Deine Zellen sind.
Die Nebenniere hingegen steuert, wie schnell Du Energie mobilisierst – etwa bei Stress, Sport oder Infekten. Sie produziert Stresshormone wie Cortisol, Adrenalin und Noradrenalin, die Dich kurzfristig leistungsfähig machen.
Und jetzt kommt der Knackpunkt: Wenn Deine Nebenniere dauerhaft überfordert ist – etwa durch chronischen Stress, unregelmäßigen Schlaf, ständige Reizüberflutung oder Infekte – dann reagiert Deine Schilddrüse automatisch mit einem „Shutdown“.
Das ist keine Krankheit – sondern ein Schutzmechanismus. Dein Körper will Dich bremsen, um nicht auszubrennen.
Cortisol: Der Stress-Schalter für die Schilddrüse
Cortisol ist mehr als nur ein Stresshormon. Es ist der zentrale Regler zwischen Stress und Schilddrüsenfunktion – und beeinflusst gleich mehrere Schlüsselstellen:
- Es hemmt die Umwandlung von T4 (der Vorstufe) zu T3 (dem aktiven Schilddrüsenhormon)
- Es fördert die Bildung von reverse T3 – ein Gegenspieler, der die T3-Rezeptoren blockiert
- Es verringert die Aufnahme von T3 in die Zellen
- Es reduziert die Empfindlichkeit der Schilddrüsenrezeptoren
- Es verstärkt Entzündungen – was gerade bei Hashimoto eine große Rolle spielt
Besonders tückisch: Selbst wenn Deine Cortisolwerte im Blut „normal“ sind, kann es trotzdem zu funktionellen Störungen kommen.
Entscheidend ist nämlich oft der Verlauf über den Tag – nicht der Einzelwert morgens beim Hausarzt.
Funktionelle Nebennierenerschöpfung – Wenn das System kippt
Die Nebenniere funktioniert nicht nach dem Schwarz-Weiß-Prinzip. Du musst nicht im völligen Burnout sein, um bereits Einschränkungen zu spüren.
Es gibt eine stille Vorstufe, die viele Betroffene gar nicht auf dem Schirm haben: die funktionelle Nebennierenerschöpfung.
Typische Anzeichen:
- Du kommst morgens schlecht aus dem Bett, fühlst Dich aber abends plötzlich „hellwach“
- Du brauchst Kaffee, um in Gang zu kommen – aber wirst davon unruhig oder zittrig
- Nach Stress oder Sport fühlst Du Dich „abgeschossen“ statt erfrischt
- Infekte dauern bei Dir ewig – oder Du bekommst sie „ständig wieder“
- Du sagst über Dich selbst: „Ich funktioniere – aber ich hab keine Reserve mehr“
In dieser Phase wird die Schilddrüse besonders empfindlich. Jede zusätzliche Belastung – auch durch Hormongaben – kann das System zum Kippen bringen.
Warum Schilddrüsenmedikamente allein oft nicht helfen
Vielleicht hast Du schon den Satz gesagt:
„Ich vertrage kein T3.“
Oder:
„Mit Hormonen geht’s mir noch schlechter.“
Das liegt oft nicht am Hormon selbst – sondern daran, dass Dein Körper gar nicht bereit ist, diese Energie umzusetzen.
Wenn das Nervensystem instabil ist, die Zellen im „Stressmodus“ sind und die Nebenniere keine Basis mehr bietet, dann wirkt zusätzlicher Schilddrüseninput wie ein Turbo auf einen Motor, dem das Öl fehlt.
Typische Reaktionen auf eine zu frühe oder zu hohe Hormongabe:
- Herzrasen oder Herzklopfen
- Nervosität und Schlafprobleme
- Verstärkte Entzündung
- Zunahme der inneren Unruhe
Viele Betroffene interpretieren das als „Unverträglichkeit“ – dabei braucht ihr Körper einfach eine andere Reihenfolge.
Die richtige Reihenfolge in der Behandlung
Stell Dir Deine hormonelle Balance wie ein Haus vor. Die Nebenniere bildet das Fundament – und die Schilddrüse das Dach.
Was passiert, wenn Du zuerst das Dach belastest, obwohl das Fundament wackelt? Genau.
Deshalb ist die Reihenfolge in der Therapie entscheidend:
Nebenniere stabilisieren
- Blutzucker konstant halten (regelmäßig essen, keine Unterzuckerung riskieren)
- Schlafrhythmus etablieren (vor Mitternacht ins Bett, feste Aufstehzeiten)
- Entzündung senken (z. B. durch Ernährung, Darmsanierung, Mikronährstoffe)
- Stressoren reduzieren (digitale Reize, toxische Beziehungen, Overthinking)
Stoffwechsel entlasten
- Kein Dauer-Push durch Koffein, Zucker oder intensive Workouts
- Kein Übertraining – moderates Bewegen statt extremes Auspowern
- Keine Dauerstimulation durch ständige Input-Flut (Multitasking, Social Media)
Schilddrüse feinjustieren
- Sobald die Basis steht, wirkt oft weniger Hormon besser
- Die Umwandlung von T4 zu T3 funktioniert wieder
- Die Zellantwort verbessert sich – auch ohne Erhöhung der Dosis
In der Praxis zeigt sich immer wieder:
Mit einer stabileren Nebenniere verbessert sich die Schilddrüsenwirkung deutlich – oft ganz ohne Dosiserhöhung.
Hashimoto & Stress – ein toxisches Duo
Wenn Du an Hashimoto leidest, solltest Du besonders achtsam auf Deine Stressachse schauen.
Warum?
Weil Stress die Autoimmunaktivität fördern kann. Das heißt: Je gestresster Du bist – egal ob körperlich oder emotional – desto stärker können sich die Symptome zeigen.
Dazu kommt: Cortisol-Dysregulation verstärkt die Probleme der Umwandlung. Und chronische Entzündungen stören die Schilddrüsenfunktion zusätzlich.
Wer hier nur den TSH-Wert im Blick hat, übersieht oft das große Ganze.
FAQ – Häufige Fragen rund um Nebenniere & Schilddrüse
Kann ich eine Nebennierenschwäche testen lassen?
Ja, aber nicht über den klassischen Bluttest. Besser geeignet sind Speicheltests mit Tagesprofil oder funktionelle Stresstests über den Tag verteilt.
Muss ich Cortisol substituieren?
In den meisten Fällen nicht. Viel wichtiger ist es, die körpereigene Regulation wieder zu stabilisieren – über Lebensstil, Ernährung und gezielte Mikronährstoffe.
Welche Ernährung hilft beiden Systemen?
Ausreichend Eiweiß, stabile Blutzuckerwerte, entzündungsarme Kost. Vermeide extremes Fasten oder Low-Carb auf Dauer – das stresst den Körper zusätzlich.
Fazit: Du bist nicht „verrückt“ – Dein Körper schützt Dich
Wenn Du das Gefühl hast, dass etwas nicht stimmt, obwohl Deine Laborwerte „in Ordnung“ sind – dann ist das keine Einbildung.
Dein Körper versucht, Dich zu schützen. Er fährt den Stoffwechsel herunter, wenn die Belastung zu groß wird.
Und genau hier liegt die Chance: Indem Du nicht nur die Schilddrüse behandelst, sondern die ganze Stressachse in den Blick nimmst, kannst Du langfristig mehr erreichen – für mehr Energie, weniger Symptome und ein besseres Lebensgefühl.
Dein nächster Schritt: Finde heraus, ob Deine Nebenniere mitbeteiligt ist
Wenn Du wissen möchtest, ob bei Dir neben der Schilddrüse auch die Nebenniere eine Rolle spielt, dann buche Dir ein kostenloses 30-Minuten-Gespräch mit mir.
Gemeinsam schauen wir, ob Deine Symptome darauf hindeuten – und welcher Weg zu Dir passt:






