Steffen Vogelmann
Heilpraktiker und PhysiotherapeutWarum du trotz Diät nicht abnimmst
Viele Frauen mit Hashimoto stellen sich irgendwann dieselbe Frage:
„Warum nehme ich zu, obwohl ich wenig esse, mich bewege und behandelt werde?“
Und die ehrliche Antwort lautet: Es liegt fast nie an mangelnder Disziplin.
Was uns oft eingeredet wird – Kalorien rein, Kalorien raus – funktioniert bei einer Autoimmunerkrankung wie Hashimoto nur sehr eingeschränkt.
Denn hier spielt nicht nur dein Essverhalten eine Rolle, sondern vor allem dein Stoffwechsel, deine Hormonlage und wie sicher sich dein Körper fühlt.
Wie Hashimoto den Fettabbau blockieren kann
Die Schilddrüse ist wie der Taktgeber deines gesamten Stoffwechsels. Wenn sie aus dem Takt kommt, leidet mehr als nur dein Energielevel.
Sie beeinflusst unter anderem:
- deinen Grundumsatz (also wie viele Kalorien du in Ruhe verbrennst)
- die Fettverbrennung
- die Insulinsensitivität (wichtig für Blutzuckerschwankungen und Heißhunger)
- den Wasserhaushalt
- die mitochondriale Energieproduktion (wie effizient du Energie erzeugst)
Das Problem: Bei Hashimoto ist diese Steuerung oft gestört – selbst wenn deine Laborwerte wie TSH, fT4 oder fT3 im Normbereich liegen.
Das bedeutet: Dein Körper läuft auf Sparflamme.
Er hält Fett zurück, fährt den Energieverbrauch runter und reagiert extrem empfindlich auf Stress – inklusive dem, den du ihm mit Diäten zufügst.
Kaloriendefizit als Stresssignal
Was passiert, wenn du bei Hashimoto versuchst, „einfach weniger zu essen“?
Wahrscheinlich kennst du das hier:
- weniger Essen → mehr Müdigkeit
- weniger Essen → Heißhunger
- weniger Essen → Gewicht stagniert oder steigt
Das liegt nicht an mangelndem Willen, sondern an deiner Biochemie.
Ein starkes Kaloriendefizit sendet deinem Körper das Signal: Achtung, Gefahr!
Die Folge:
- Cortisol (dein Stresshormon) steigt
- Die Umwandlung von T4 zu aktivem T3 (deinem Stoffwechsel-Booster) sinkt
- Reverse T3 steigt – das bremst den Stoffwechsel zusätzlich
- Dein Körper schaltet in den Sparmodus: Kein Fettabbau, dafür Einlagerung
Fazit: Diäten lösen bei Hashimoto oft genau das Gegenteil von dem aus, was du willst.
Cortisol, Insulin & das Bauchfett-Dilemma
Hashimoto ist nicht nur ein Hormonproblem – es ist auch ein Stressproblem.
Denn chronischer Stress – egal ob emotional, körperlich oder metabolisch – sorgt für eine Veränderung deiner Fettverteilung.
Typisch bei Hashimoto:
- Fettansammlung am Bauch
- Wassereinlagerungen
- Gefühl von „Aufgedunsenheit“
- Gewichtsschwankungen von mehreren Kilo – manchmal sogar innerhalb eines Tages
Cortisol, das zentrale Stresshormon, spielt dabei eine Schlüsselrolle:
- Es erhöht deinen Blutzuckerspiegel
- Fördert Insulinresistenz (was wiederum Heißhunger und Bauchfett begünstigt)
- Blockiert die Fettfreisetzung aus deinen Speichern
Das bedeutet: Selbst gesunde Ernährung kann dann keinen Fettabbau mehr auslösen.
Wenn Sport alles schlimmer macht
Du denkst dir: „Okay, dann trainiere ich halt mehr!“
Klingt logisch – ist aber bei Hashimoto oft genau der falsche Weg.
Was viele erleben:
- Mehr Training → mehr Erschöpfung
- Intensivere Einheiten → mehr Heißhunger
- Weniger Essen + mehr Sport → mehr Gewicht auf der Waage
Warum? Weil Übertraining dein Stresssystem weiter anfeuert.
Das treibt Cortisol noch mehr in die Höhe – und das wiederum senkt deine Schilddrüsenwirkung.
Besonders kritisch sind:
- HIIT (High Intensity Interval Training)
- exzessives Ausdauertraining
- Training bei bereits leerem Akku
Dein Körper verbrennt in solchen Momenten nicht Fett – sondern hält daran fest wie an einem Schatz.
Gewichtszunahme ≠ Fettzunahme
Ein superwichtiger Punkt, den viele vergessen:
Nicht jedes Kilo auf der Waage ist Fett.
Gerade bei Hashimoto kommen viele andere Faktoren ins Spiel:
- Wassereinlagerungen
- Entzündungsprozesse
- verlangsamte Lymphzirkulation
- ein veränderter Elektrolythaushalt
Das erklärt, warum du dich aufgedunsen fühlst, dein Gesicht geschwollen wirkt oder deine Kleidung enger sitzt – obwohl du nichts „falsch“ gemacht hast.
Das Problem ist also nicht immer Fett – sondern oft ein entzündlicher, hormoneller Zustand.
Warum „gut eingestellt“ nicht reicht
Ein Laborwert wie der TSH sagt dir nur sehr wenig über deinen tatsächlichen Stoffwechselzustand.
Viele Frauen mit Hashimoto sind formal gut eingestellt – aber funktionell unterversorgt.
Was in den meisten Labors nicht gemessen wird:
- Wie viel T3 kommt wirklich in der Zelle an?
- Wie hoch ist deine Cortisolbelastung?
- Wie reagiert dein Körper auf Insulin?
- Wie aktiv sind Entzündungsprozesse?
Erst wenn du diese tieferen Ebenen betrachtest, erkennst du, warum du dich müde, aufgedunsen und ausgebremst fühlst – trotz „guter Werte“.
Die richtige Reihenfolge beim Abnehmen
Was du brauchst, ist kein neuer Diätplan – sondern eine neue Reihenfolge.
1. Stress reduzieren – bevor du Kalorien reduzierst
- Blutzucker stabilisieren (z. B. durch eiweißreiche Mahlzeiten)
- Schlaf priorisieren – ohne guten Schlaf kein Fettabbau
- Nervensystem beruhigen (z. B. mit Atemübungen, Spaziergängen)
2. Stoffwechsel sicher machen
- Ausreichend essen – keine ständigen Defizite
- Trainingsanpassung – Fokus auf Erholung & gezielte Bewegung
- Energie wieder hochfahren
3. Schilddrüsenwirkung verbessern
- Umwandlung von T4 zu T3 optimieren (z. B. über Nährstoffe)
- Zellantwort verbessern
- Gegenregulationen durch Stresshormone senken
Erst wenn diese Basis steht, ist nachhaltiger Fettabbau möglich – ohne Kampf.
FAQ – Deine häufigsten Fragen
Muss ich komplett auf Sport verzichten?
Nein. Aber dein Training sollte dich nicht zusätzlich stressen.
Sanfte Bewegung, Krafttraining mit Pausen oder Spaziergänge sind oft wirksamer als High-Intensity-Einheiten.
Kann ich je wieder normal abnehmen?
Ja – wenn du die Reihenfolge beachtest und deinen Körper nicht überforderst.
Es braucht oft Geduld, aber es ist absolut möglich.
Was kann ich sofort ändern?
Fang an mit regelmäßigen, nährstoffreichen Mahlzeiten, schlaf ausreichend und geh täglich an die frische Luft.
Kleine Schritte, große Wirkung.
Fazit: Du kämpfst nicht gegen deinen Körper
Wenn du mit Hashimoto nicht abnehmen kannst, ist das kein Zeichen von Schwäche oder Faulheit.
Es ist ein Zeichen dafür, dass dein Körper gerade Schutz vor Veränderung priorisiert.
Er tut das nicht, um dich zu ärgern – sondern um dich zu schützen.
Deshalb ist der Schlüssel nicht „mehr Disziplin“, sondern mehr Verständnis.
Lerne, wie dein Stoffwechsel funktioniert. Reduziere Stress statt Kalorien.
Und vertraue darauf: Dein Körper kann wieder in Balance kommen – und dann lässt er auch los.
Dein nächster Schritt
Wenn du merkst, dass du allein nicht weiterkommst – dann hol dir Unterstützung.
Ich nehme mir gerne 30 Minuten Zeit für dich und schaue mir deine Situation ganz konkret an.






